Location-based Gaming
Überblick über ein neues Spiele Genre
Unter location-based Games verstehen wir Spiele die mit dem Handy „draußen“ gespielt werden und den Standort des Spielers in das Gameplay integrieren. Da die meisten populären Spiele eine genaue Ortung des Spielers voraussetzen braucht das Handy einen integrierten GPS Empfänger oder die Verbindung zu einer externen GPS Mouse. Da es zudem aus Kostensicht ratsam ist eine Daten Flatrate-zu besitzen können wir die eigentliche „Geburtsstunde“ dieses neuen Handyspiele Genres auf den Sommer 2008, mit dem Verkaufsstart des iPhone 3G, datieren. Mit dem iPhone 3G hat jeder Besitzer erstmals automatisch die Möglichkeit sorgenfrei (durch Daten Flatrate) und mit jeder Menge Spielspaß (integriertes GPS, Touch-Screen) die Möglichkeit Spiele mit Ortsbezug zu genießen. Sicherlich gab es bereits um die Jahrtausendwende Spiele auf SMS Basis, seit dem Jahr 2000 können Geocaches mit GPS Empfängern gesucht werden und viele Handys haben schon seit Jahren integrierte GPS Empfänger, jedoch haben location-based Games bis zum Start des iPhone 3G nur wenig Beachtung gefunden und lediglich technik- und gadget-affine Männer angesprochen. Mit den neuen Endgeräten und vor allem neuen Vertriebswegen (den AppStores) können location-based Games jetzt endlich den Massenmarkt adressieren.
Worin liegt aber genau der Reiz „draußen“ in der Realität zu spielen und auf sein Handy starrend durch die Gegend zu rennen? Jeder der einmal in den Genuss eines guten location-based Games gekommen ist und Ermittler in einer spannenden Kriminalgeschichte war, Geschichten aus einer anderen Zeit erlebt hat oder auch einfach nur eine knifflige Schnitzeljagd gelöst hat, dem ist sehr schnell klar, dass durch den Einbezug des Ortes des Spielers die immer noch schönste aller 3D Welten, die Realität, zum spannenden Spielfeld wird. Durch die Überlagerung der realen mit einer virtuellen Welt ergeben sich phantastische Möglichkeiten für spannende Games in denen die Spieler in eine andere Welt eintauchen können. „Gelingt die immersive Überlagerung der durch mediale und „reale“ Quellen stimulierten Sinne, so erleben sie… magische Momente“(Gesa Henselmans, Virtual Mushrooms. Überlegungen zu landschaftsspezifischen mobilen Spielen. 2009). Ein Beispiel eines location-based Games bei dem Sie den Spielspaß erahnen können sehen Sie hier:
Aufgrund der Erweiterung der Realität werden location-based Games auch häufig als Augmented Reality Games bezeichnet bzw. sind ein Teil davon (z.B. Thomas Kuhn auf wiwo.de 2009 http://www.wiwo.de/technik/nokia-und-sony-wollen-mit-live-games-kasse-machen-401140/).
Generell muss in zwei Kategorien von location-based Games unterschieden werden, in ortsspezifische und ortsunspezifische Spiele. Ortsspezifische Games haben einen direkten Bezug zum Standort des Spielers oder nehmen Bezug auf die Umgebung (wie z.B. auf Denkmäler, Gebäude, etc.). Ortsunspezifische Spiele können generell überall draußen gespielt werden und erhalten ihren Reiz dadurch dass sie z.B. auf Zeit und/oder in Gruppen gegeneinander gespielt werden. Henselmans definiert noch eine dritte Kategorie, die der landschaftsspezifischen Spiele. Hierbei handelt es sich um Spiele die Bezug nehmen auf eine bestimmte Landschaft, z.B. Waldgebiete, sich jedoch nicht nur auf ein Gebiet beschränken (Gesa Henselmans, Virtual Mushrooms. Überlegungen zu landschaftsspezifischen mobilen Spielen. 2009).
Prominente Anbieter von ortsspezifischen Spielen sind beispielsweise Geocaching ( www.geocaching.com ), Mscapers ( www.mscapers.com ) oder GPS Mission ( www.gpsmission.com , Anm.: Der Autor ist Mitgründer und Geschäftsführer des Betreibers von GPS Mission). Auf diesen Spiele-Plattformen erstellen in der Regel die Spieler selbst für sich und die Community die location-based Games. Bei Geocaching finden sich weltweit über 850.000 Geocaches, versteckte Behälter, die der Spieler mit GPS und oftmals Rätsel-lösend finden muss. GPS Missionen (Schnitzeljagden, Krimis, Zeitreisen, u.a.) wurden von der Community bisher in 65 Ländern erstellt. Beispiele von ortsunspezifischen Games sind www.fastfoot.mobi oder http://tourality.com/ (Mister X wird von anderen Spielern gejagd und muss gestellt werden), oder auch www.locomatrix.com (Sammelspiele).
Neben Spielen, die dem Spielprinzip der Schnitzeljagden oder dem „Fangenspielen“ folgen, kamen in den letzten Monaten gerade für das iPhone weitere location-based Games auf den Markt. Beispiele sind das Rollenspiel Parallel Kingdom ( www.parallelkingdom.com ) oder auch Jetset, ein Spiel welches nur an ca. 100 Airports weltweit gespielt werden kann und die Wartezeit beim Check-in verkürzt (http://www.persuasivegames.com/games/game.aspx?game=jetset ).
Wie groß der Markt für location-based Games werden wird lässt sich noch schwer vorhersagen. Er wird sicherlich einen Teil des location-based Services- und des Mobile Gaming-Marktes ausmachen. Die starke Zunahme an Games und Anbietern deutet auf ein wachsendes Interesse von Spielern aber auch von Gründern und Kapitalgebern hin. Mit den besagten Endgeräten und App Stores sind jedenfalls Geschäftsmodelle da. Die bisherigen Anbieter konzentrieren sich dabei auf den Direktverkauf der Spiele und auf Werbung. Der Verkauf virtueller Güter dürfte sehr bald hinzukommen, nachdem dies nun auf dem iPhone möglich ist.
Das Genre der location-based Games steht zweifelsohne erst am Anfang, hat jedoch ein riesiges Entwicklungspotential. Zukünftig werden wir weitere Spielarten sehen, die weit über die bisherigen, die sich meist noch von Schnitzeljagden und MisterX ableiten, hinausgehen. Das Spielen in der realen Welt wird darüber hinaus eine ideale Ergänzung zu Online Multiplayerspielen am PC sein. Location-based Games werden erfolgreiche Onlinegames in die Realität „verlängern“. Die Überlagerung der Realität mit spannenden Games wird garantiert zunehmen und sich mehr und mehr mit dem Alltag verweben.